Psychologische Beratung stellt eine Form der Hilfe zur Selbsthilfe dar. Sie sieht ihren Arbeitsschwerpunkt und ihr Ziel in der Aufarbeitung und Überwindung sozialer Konflikte, die angesichts akuter Schwierigkeiten und Problemen vom Klienten subjektiv als belastend und schwer lösbar empfunden werden. Psychologische Beratung sollte dann stattfinden, wenn der Problembereich eng umschrieben ist, wie zum Beispiel bei beruflicher Veränderung, Ortswechsel oder Problemen in der Partnerschaft oder Familie. Die Psychologische Beratung trägt dazu bei, Klarheit über Probleme und über Bewältigungsmöglichkeiten zu schaffen. Gleichzeitig fördert sie die Kompetenz des Klienten, eine eigenständige Problemlösung zu finden.
Mit der angebotenen Ausbildung „Psychologische(r) Berater(in)“ wird die
Qualifikation zur psychologischen Beratung erworben und damit die
Möglichkeit, sich nach PsychThG § 1 Abs. 3 Satz 3 außerhalb der
Heilkunde selbständig niederzulassen und somit eine selbständige
Tätigkeit auszuüben. Die Niederlassung ist an keine Hochschul- oder
amtliche Prüfung oder behördliche Zulassung geknüpft. Dem für den
Niederlassungsort zuständigen Finanzamt ist jedoch Anzeige zu erstatten.
Die Ausbildung ist außerdem interessant für Menschen, die eine
natürliche Gabe zum Beraten haben, denen aber fundierte Kenntnisse in
grundlegenden Bereichen der Psychologie fehlen, und für Menschen, die
durch die Auseinandersetzung mit Themen der Psychologie mehr über sich
erfahren wollen.
Die Ausbildung kann aber auch für eine betriebliche Beratungstätigkeit
das nötige psychologische Hintergrundwissen vermitteln. Als
Psychologischer Berater können Sie sich niederlassen mit Schwerpunkten
in Ehe-, Familien- oder Erziehungsberatung, Personal-, Betriebs- oder
Werbeberatung, Eignungsuntersuchungen, Schulwahl, Gruppentraining und
vieles andere mehr. Hier wird eine Studienvertiefung in den
Schwerpunkten durch Fachliteratur und Praktika empfohlen.
In der Ausbildung wird durch Vortrag, Gruppenarbeit und praktische Übung
eine Wissensbasis zur psychologischen Beratung geschaffen. Nachdem zu
Beginn der Schwerpunkt auf der Vermittlung psychologischen Basiswissens
liegt, wird der Unterricht zunehmend praxisorientierter.
Die Teilnehmer(innen) üben Elemente aus Beratungssitzungen. Die
Erfahrungen werden reflektiert, supervidiert und auf ihre
lösungsorientierte Relevanz hin geprüft. Gemeinsam werden beispielsweise
die persönliche Standortbestimmung des Klienten perspektivisch
analysiert und Interventionsmaßnahmen geübt.
Die Ausbildung endet mit der Durchführung einer vom Teilnehmenden selbst
entwickelten Beratungssitzung und einer Abschlussprüfung, die von
Diplom-Psycholog(inn)en und graduierten Therapeut(inn)en abgenommen
wird. Im Falle des Nicht-Bestehens der Abschlussprüfung kann diese
zweimal wiederholt werden (kostenfrei). Der erfolgreiche Abschluss wird
mit einem anerkannten Prüf-Zertifikat des IEK bescheinigt. Die
Ausbildung endet mit der Graduierung zur/m geprüften Psychologischen
Berater(in).
Die Ausbildung zur/m Psychologischen Berater(in) am IEK hat das Ziel,
die Teilnehmenden auf eine Tätigkeit als Berater(in) vorzubereiten,
die/der Ratsuchenden Hilfestellung bei der Aufarbeitung und Überwindung
sozialer Konflikte oder anderer Zwecke außerhalb der Heilkunde geben
kann (nach PsychThG § 1 Abs. 3 Satz 3). Sie umfasst insgesamt 200
Unterrichtseinheiten an 15 Tagen. Es werden fundierte Kenntnisse aus
folgenden Bereichen vermittelt:
Themenbereich & Anteil an der Ausbildung (ca.)
Der Beratungsprozess - 40 %
Psychologische Grundlagen - 30 %
Entspannungsverfahren - 20 %
Organisatorisches - 10 %
Im Themenbereich "Der Beratungsprozess" geht es um Möglichkeiten und
Grenzen Psychologischer Beratung, Ziel und Ablauf von Beratungen,
Gestaltung von Beratungssitzungen, gezielte Nutzung von Elementen aus
therapeutischen Ansätzen, Techniken der Gesprächsführung, die Rollen von
Berater und Ratsuchendem und andere damit zusammenhängende Aspekte.
Der Themenbereich "Psychologische Grundlagen" vermittelt Grundwissen aus
Persönlichkeits-, Sozial-, Entwicklungs-, und Klinischer Psychologie,
relevante Aspekte der Allgemeinen und der Pädagogischen Psychologie
sowie Abgrenzungen zur Psychopathologie. Dabei wird einerseits die
notwendige theoretische Basis geschaffen und andererseits die jeweilige
Anwendungsrelevanz bezogen auf Psychologische Beratung erarbeitet.
Im Themenbereich "Entspannungsverfahren" erwerben die Teilnehmenden die Fähigkeit, Progressive Muskelrelaxation und Autogenes Training
an Ratsuchenden zur Anwendung zu bringen. Entspannungsverfahren sind
universelle Werkzeuge im Dienste der menschlichen Entwicklung. Sie
dienen unter anderem der Reduktion von Angst und Stress und der
Entwicklung von Kreativität.
Der Themenbereich "Organisatorisches" schließlich behandelt formale,
rechtliche und organisatorische Frage im Zusammenhang mit der Ausübung
einer Tätigkeit als selbständiger oder nicht-selbständiger
Psychologischer Berater.
Grundlagen, Ziele und Grenzen der Beratung
Zunächst wird eine Einführung in das Thema Beratung gegeben. Es geht um
dabei um die Rolle des Beratenden und die Funktion von Beratung, die
unterschiedlichen Welten (Wahrnehmungen, Erklärungen) des Beratenden
und des Ratsuchenden, um Gesprächsmethoden und Problemaspekte der
Beratungssituation. Außerdem werden Sinn und Zweck und auch die Grenzen
von Beratung verdeutlicht.
Anwendungsbereiche von Beratung
In welchen Settings findet Beratung statt? Es werden verschiedene
Bereiche der Psychologie vorgestellt, in denen Beratung stattfindet, u.
a. Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie und
Schulpsychologie.
Beratungsansätze
Es werden die folgenden verschiedenen Beratungsansätze vorgestellt,
verglichen und auf ihre Anwendungsmöglichkeiten in der Beratung geprüft:
Kommunikationsprozesse in der Beratung
Was sind die Grundannahmen der Kommunikationstheorie? Welche Art von
Kommunikationsstörungen gibt es? Wie kann das Beraterverhalten Einfluss
darauf nehmen, und welche Alternativen gibt es? Ein besonderes Thema
dabei ist die Metakommunikation.
Durchführung und Gestaltung von Beratungseinheiten
In diesem Teil geht es um die konkrete Fallübung und die Anwendung des
erworbenen Wissens. In Gruppen und Rollenspielen werden
Beratungssituationen simuliert und beraterisches Verhalten trainiert.
Einübung und Supervision
Es werden eigenständig Beratungssitzungen konzipiert und in der Gruppe
durchgeführt. Anschließend werden die Erfahrungen analysiert und
supervidiert.
Spezielle Themen
Ausgewählte Themen, die eine besondere Rolle in der Beratung spielen können, werden behandelt, so unter anderem
Grundlagen der Psychologie
Über die Geschichte der Psychologie, ihre Entstehung, Ziele und
Forschungsansätze, die verschiedenen Teilgebiete der Psychologie und
deren Anwendungsmöglichkeiten.
Persönlichkeitspsychologie
Eine wesentliche Grundlage der Beratung bildet unsere Vorstellung davon,
"wie und was der Mensch ist". Die Persönlichkeitspsychologie untersucht
unter anderem Theorien darüber, wie menschliches Erleben und Verhalten
beschrieben und erklärt werden kann. In der Ausbildung beleuchten wir
verschiedene Persönlichkeitstheorien und erarbeiten die ihnen zugrunde
liegenden Menschenbilder. Folgende Persönlichkeitstheorien und ihre
Bedeutung für die Psychologische Beratung werden besprochen:
Des weiteren werden Persönlichkeitstests als diagnostisches Werkzeug
besprochen und wie sie zur Standortbestimmung des Klienten eingesetzt
werden können.
Sozialpsychologie
Auf welche Weise werden unsere Wahrnehmungen, Gedanken, Gefühle und
Handlungen durch andere Menschen beeinflusst? Soziale Prozesse lassen
sich innerhalb von Individuen, zwischen Individuen und innerhalb und
zwischen Gruppen lokalisieren. Ausgewählte Konzepte der
Sozialpsychologie, die für die Beratung besonders wichtig sind, werden
vermittelt:
Entwicklungspsychologie
Wie geht die psychische Entwicklung des Menschen vonstatten, und was
sind wichtige Stationen im Leben des Menschen? Der Schwerpunkt liegt
dabei auf den verschiedenen Stationen im Erwachsenenalter (frühes,
mittleres und höheres Erwachsenenalter). Zusätzlich werden Themen der
angewandten Entwicklungspsychologie behandelt, wie z. B. Schulversagen,
Arbeitslosigkeit, Scheidung und Pensionierung. Grundsätzlich
beschäftigt sich die Entwicklungspsychologie mit den Veränderungen des
Denkens, Fühlens und Verhaltens von Personen innerhalb der Lebensspanne
(z. B. kognitive Entwicklung, Reifung, Persönlichkeitsentwicklung).
Psychopathologie
Die Psychologische Beratung ist nur außerhalb der Heilkunde erlaubt. Oft
ist jedoch der Übergang zur heilkundlichen Tätigkeit der Psychotherapie
fließend. Aus diesem Grund ist es wichtig, Kenntnisse neurotischer,
psychoneurotischer, psychosomatischer und psychiatrischer Störungen mit
Krankheitswert zu erwerben, damit die Krankheitsbilder und die formale
Abgrenzung zur Psychotherapie bewusst sind.
Entspannungsverfahren
Welche Bedeutung hat Entspannung im menschlichen Leben? Es werden
theoretische Grundlagen von Entspannung vermittelt und die Wirkung
gezielter Entspannung auf Angst, Kreativität, Leistungsfähigkeit u. a.
m. besprochen. Folgende Entspannungsverfahren werden vermittelt, so dass
sie als Werkzeuge in der Beratung eingesetzt werden können:
Weiterhin werden Elemente aus der Hypnose, aus der Meditation und aus alternativen Verfahren behandelt.
Berufspraxis und Berufsrecht
Was ist zu beachten bei einer selbständigen Niederlassung als
Psychologische Beraterin oder Psychologischer Berater? Welches sind die
rechtlichen Rahmenbedingungen des Berufes?